Feeds:
Posts
Comments

Archive for the ‘04 Malaysia’ Category

… die Fotos aus dem Norden Malaysias. Endlich gab es ein wenig Abwechslung in unserem eher eintoenigen Alltag. Aber haetten wir gewusst, was uns in Thailand erwarten wuerde – wir waeren schon laengst aus Malaysia geflohen…

Der neue Sattel drueckt mich nicht mehr ganz so stark – aber angenehm ist er noch lange nicht.

Lasst es euch gut gehen!

Jens, vor Mauer, Muell und Kulisse...

Read Full Post »

An dieser Stelle mal ein detailierter Tagesablauf von Malaysias Halbinsel. Erschreckend normal. Erstaunlich warm. Dazu servieren wir Schnappschuesse aus unserer kleinen Kamera. Mahlzeit!

Datum: 07. September 2010

Strecke: Von Kuala Rompin nach Pekan, Peninsula Malaysia, Ostkueste

07:53 Uhr Die Ohrstoepsel verschlucken das Klingeln des Weckers.

08:28 Uhr Ich schlage die Augen auf. Fahles Licht faellt durch senffarbene Vorhaenge in das karge Hotelzimmer. Dank des Mintgruens des Oelfarbsockels erinnert es mehr an ein Krankenhauszimmer aus laengst vergangenen Tagen. An der Wand rattert eine altersschwache Klimaanlage.

08:40 Uhr Mit kaltem Wasser versuche ich mir den Schlaf aus dem Koerper zu duschen. Die Badarmaturen tragen den schoenen Namen „dorf“. Ich kaempfe mit der Klospuelung…

09:05 Uhr Unter Zuzkas wachsamen Augen packe ich meine Taschen. Sie ist laengst fertig…

09:20 Uhr Die Welt empfaengt uns mit Sonnenschein bei +30°C.

09:50 Uhr Nach dem Auftanken der Wasservorraete am Automaten (0,02€/l) und vergeblicher Suche nach einem muslimischen Restaurant (Fastenmonat), landen wir schliesslich beim Chinesen.

Im Nachbarladen dudelt der malaysische Trockenzeit-Hit 2010, der stark an Deutschen Schlager erinnert. Das ist allemal besser als der offizielle und doch so schreckliche Singsang der Fussball-WM 2010, welcher uns noch immer verfolgt.

Wir verspeisen:

1x Hefekloss mit Rote-Bohnen-Paste (Jens)

1x Mee Goreng (gebratene Nudeln mit Erdnuessen, getrockneten Mini-Fischen (bekannt aus dem heimischen Aquarium), Gemuese und Sambal (Chili-Mischung)) (Jens)

1x Spiegelei (Jens)

1x Nasi Goreng (gebratener Reis mit Tofu, Erdnuessen, kaltem Spiegelei und zerkochtem Gemuese (Zuzka)

1x Kopi Susu (Kaffee, tuerkisch, mit jeder Menge gezuckerter Kondensmilch) (Zuzka)

1x Neslo Ping (Gemisch aus Nescafe und Milo (aehnlich Ovomaltine) mit gaaanz viel Eis (Jens)

Dafuer bezahlen wir stolze 2,70 Euro!

10:19 Uhr KM 00. Sonnencreme. Start. Gegenwind.

10:50 Uhr KM 08. Trinkstopp 1. Halten an einer der vielen Schwalbenfarmen. Das sind mehr oder weniger als Geschaeftshaus getarnte „Bunker“ mit Einflugloechern fuer die Voegel und Lautsprechern, die das geschaeftige Gezwitscher aus dem Innern nach Aussen transportieren, um noch mehr Tiere zu ueberreden, hier zu nisten. Schwalbennester sind in Asien entweder Medizin oder Delikatesse. Fuer manche wahrscheinlich beides.

11:21 Uhr KM 16. Trinkstopp 2. Jede Menge Holztrucks ueberholen uns. Das Thermometer steht bei +34°C im Fahrtwind.

11:41 Uhr KM 23. Trinkstopp 3. +37°C. Rechts und links entlang der Strasse wird der Wald gnadenlos abgeholzt. In uebrig gebliebenen, vereinzelten Baeumen und im nachgewachsenen Sekundaerwald tummeln sich die Affen.

12:30 Uhr KM 36. Trinkstopp 4. Mittlerweile erdulden wir +41°C. Kein Schatten weit und breit. Wir kommen immer wieder an ueberfahrenen Tieren vorbei. An den Anblick von Hund und Katze hat man sich schon irgendwie gewoehnt, die toten Affen allerdings brennen sich ins Gedaechtnis. Dazu gesellen sich noch Wildschweine, Riesenechsen, Froesche, Schlangen und Tiere, die wir noch nie gesehen haben.

Die schmalen Waldstreifen entlang der Strasse entpuppen sich bei naeherer Betrachtung als „Potemkinsche Doerfer“. Nur ca. 30m schmal, verstecken sie die dahinter liegenden Oelpalmen- oder Akazienbaumplantagen.

12:50Uhr KM 44. Ankunft in Nenasi. Wir fuellen unsere Wasserflaschen am Automaten auf und fahren zum Strand. Dieser ist leider wenig einladend, da komplett zugemuellt.

13.01 Uhr Wegen des Fastenmonats Ramadan haben fast alle Ess-Staende bis 16.30 Uhr geschlossen. Lediglich ein chinesisches Lokal, halb Autowerkstatt, halb Wohnzimmer, haelt etwas essbares fuer uns bereit.

13.30 Uhr Satt und zufrieden. Wir beide hatten jeweils:

345ml Iso-Drink 100 Plus

350ml Neslo Ping

Reis mit Wasserspinat und Spiegelei

13:34 Uhr Sehen wohl noch hungrig aus und bekommen von der Koechin einen grossen Topf gebratenen Reis hingestellt. Alles in allem loehnen wir 4,50 Euro.

13:52 Uhr Weiterfahrt.

14:24 Uhr KM 51. Fahren gerade an einer Fischfarm vorbei, als mir eine Windboe die Muetze vom Kopf reisst. Also anhalten und zurueckrennen, bevor sich die Affen eine neue Kopfbedeckung zulegen.

14:41 Uhr KM 59. Trinkstopp 5. Die Autofahrer in Malaysia sind ausgesprochen ruecksichtsvoll und, genau wie die Passanten, freundlich. Es wird gewunken, gerufen und immer wieder hoert man ein freundliches „Welcome to Malaysia!“

15:19 Uhr KM 71. Trinkstopp 6. Zirka 20 Staende draengen sich am Strassenrand zusammen und verkaufen alle das gleiche: Ananas

16:10 Uhr KM 85. Ankunft in Pekan. Als erstes kaufen wir uns Fruechte. Eine Staude Bananen, zwei Mangos und eine Wassermelone. 2,50 Euro.

16:15 Uhr Die Suche nach einer Bleibe beginnt und fuehrt uns weitere 7km durch und um das Staedtchen. Nach der Besichtigung einer Turnhalle und eines verwahrlosten, ehemaligen Luxushotels (mit noch immer luxurioesen Preisen), schliesst sich der Kreis genau gegenueber des Basars. Wir essen die Bananen auf.

17:40 Uhr KM 92. Fahrraeder abladen, Taschen und Bikes in unsere Absteige hochtragen. Anmeldezeremonie mit Passportdaten und dem ganzen Brimborium, 5 Euro zahlen (vergleichsweise viel fuer diesen Schuppen).

17:55 Uhr Eine Wassermelone (gelb) fuer Zuzka, zwei Mango fuer Jens.

18:20 Uhr Frisch „geduscht“ zurueck aus dem Gemeinschaftsbad. Wasserbecken und Plasteschuesselchen ersetzen die Dusche.

18:25 Uhr Ich klebe die Guckloecher in der Wand zu den Nachbarraeumen mit noch uebrigem, und u.a. fuer diesen Zweck noch immer mitgefuehrten Paketklebeband zu.

18:30 Uhr Die Zimmertemperatur betraegt, dank des funktionierenden Deckenventilators, angenehme +32°C. Die ersten Muecken haben mich entdeckt.

18:40 Uhr Fertig zum „Ausgang“. Die Wertsachen (Geld, Paesse und Festplatte mit allen Fotos) sind im Rucksack „am Mann“.

18:55 Uhr Wir durchstreifen das Stadtzentrum auf der Suche nach Abendessen und entdecken ein muslimisches Strassenrestaurant. Ganz neu, sauber, glaenzend. Und jede Menge Katzen.

Die ueberwiegend muslimischen Gaeste warten vor ihren bereits gefuellten Tellern und Bechern, bis die Sonne untergegangen ist und ein Boeller das Ende des Tages ankuendigt (19:15 Uhr). Man ruehrt ungeduldig mit dem Trinkhalm im Sirupwasser, ordnet das Essen um, wartet…. Dann aber gibt es kein halten mehr. Man muss sich vor Augen halten, dass die Mehrheit den ganzen Tag ueber weder feste Nahrung, noch einen Tropfen Fluessigkeit zu sich genommen hat. Fuer uns genuegt folgendes:

3x Roti Telur Bawang + Daal (in Teigfladen eingebackenes Ei und Zwiebeln, dazu Linsenbrei)

1 Kopi Susu (Kaffee mit gezuckerter Kondensmilch)

1 Horlicks Ais (eiskalter Instant-Malzdrunk, dessen Geschmack stark an Milch mit Honig erinnert)

Alles in allem 1.80 Euro.

19:15 Uhr Das Restaurant ist bis auf den letzten Platz gefuellt.

19:29 Uhr Wir schlendern zurueck in unser Zimmer. Die Stadt gleicht einer Geistersiedlung. Kaum jemand ist auf der Strasse zu sehen. Die Verkaeufer an den zahlreichen Staenden sind mit ihrem Essen beschaeftigt…

23:55 Uhr Bei uns geht das Licht aus. Wir haben gelesen, die mueden Knochen ausgeruht, ein paar Folgen Simpsons und South Park auf dem Netbook geschaut. Nun heisst es schlafen und von aufregenderen Zeiten traeumen….. Gute Nacht!

Endlich Roti!

Read Full Post »

I Mit Blaulicht in die Kirche

Die Polizei, dein Freund und Helfer. Das kann man auch hier, in Malaysia, woertlich nehmen. Die Uebernachtungen in Gasthaeusern uebersteigen bisweilen unser Budget – was liegt also naeher, als auf der Polizeistation nachzufragen? Schliesslich, so unsere Idee, haben die ja reichlich Platz zum Campen auf dem hauseigenen Sportplatz oder die eine oder andere freie Zelle. Man nimmt sich unseres Problems dankend an und eskortiert uns eine halbe Stunde spaeter zu Pastor Martin, der uns mit offenen Kirchentueren empfaengt. Von nun an fragen wir direkt bei den oertlichen Gotteshaeusern nach Unterkunft – und sind ueberwaeltigt von soviel selbstverstaendlicher Naechstenliebe und Gastfreundschaft. Eine kleine Spende erhaelt die Freundschaft.

Wir schaffen es nach Kota Kinabalu. Diese Stadt ist fuer uns Treffpunkt mit meiner Schwester Jana und Freund Guido. Wir geniessen zusammen das frische Essen auf einem der besten Seafood-Maerkte Suedostasiens, dem Filipino-Markt, schlendern durch die bunten, lebendigen Gassen des chinesischen Viertels und verbringen zauberhafte Tage auf Mamutik Island, unweit der Stadt. Auf der Insel gibt es keine festen Unterkuenfte, so dass die wenigen Camper vom spaeten Nachmittag bis zum naechsten Vormittag vom Ansturm der Tagesausfluegler verschont bleiben und die Ruhe geniessen koennen. Es laesst sich hervorragend Schnorcheln – ich bekomme Feuerfische und sogar Riffhaie zu Gesicht – sehr beeindruckend, auch wenn diese nur wenig laenger als einen Meter sind. Nach einer knappen Woche trennen sich unsere Wege – wir werden uns erst in Singapur wiedersehen…

II Radlos im Regenwald

Wir machen uns auf den Weg, zurueck nach Brunei, um die schoenere Seite des Landes kennen- und lieben zu lernen. Wir entscheiden uns aufgrund mangelnder Zeit und Lust, die Raeder und den Grossteil des Gepaecks in Kota Kinabalu zu lassen und trampen zurueck ins Land eines der reichsten Maenner der Welt. Das funktioniert ausgeprochen gut und so finden wir uns nach Einbruch der Dunkelheit in Sumbiling wieder. Dieses Dorf liegt am Ende einer Strasse, welche von Bangar direkt in den Regenwald fuehrt und von Menschen aus dem Stamm der Iban bewohnt wird. Wir sind hier, um Freiwilligenarbeit fuer ein Oeko-Dorf-Projekt zu leisten, welches „sanften Tourismus“ in der Region unter Einbindung der Einheimischen foerdern soll. Initiiert wurde das Projekt von Leslie, einem chinesisch-staemmigen Tourismus-Unternehmer und betreut von Rudy, unserem Couchsurfing-Gastgeber aus Bruneis Hauptstadt.

Es braucht seine Zeit, bis man sich aneinander gewoehnt. Die Iban sind anfangs sehr zurueckhaltend. Doch das Eis schmilzt von Tag zu Tag – aus Fremden werden schliesslich Freunde. Die unterschiedlichen Vorstellungen zum Thema Arbeit geben auch erstmal genug Zuendstoff fuer die ersten Tage – was ich am meisten zu hoeren bekomme ist: „Jens, just relax. Tomorrow is another day.“ Aber ich kann mir nicht helfen – mich nerven die kaputten oder fehlenden Werkzeuge, der Pfusch am Bau, die staendigen Pausen und die totale Unorganisiertheit – jeder macht, wozu er gerade mal 30 Minuten lang Lust hat und laeuft wieder weg. Doch wir naehern uns einander an und schaffen es in den zwei Wochen unserer Anwesenheit, ein Projekt zu beginnen, fertigzustellen und gleichzeitig noch genug Zeit zum Entspannen zu finden.

Die Iban leben vor allem von dem, was Fluss und Wald gerade anbieten. Auf Viehhaltung und Ackerbau sind sie nicht angewiesen, die Langhaeuser, in denen sie hauptsaechlich wohnen, halten mehrere Generationen – Sammeln, Fallenstellen, Jagen und Fischen sind seit Urzeiten ihre gewohnten Taetigkeiten. Geld spielt eine untergeordnete Rolle, ist eher fuer die junge Generation wichtig, die Leben und Gueter jenseits des Waldes aus dem TV kennt und verstaendliche Begehrlichkeiten entwickelt. Leider geht dadurch ein Teil des Wissens ueber den Lebensraum Regenwald verloren. Die Alten, wie Apai und Tukang, sind unerschoepfliche Wissensquellen – ein Waldspaziergang mit Ihnen ist eines der spannendsten Dinge, die man hier so machen kann – da wird aus gruenen Blaettern ploetzlich Seife, aus ein Paar Zweigen und zusammengerollten Pflanzenfasern binnen weniger Minuten eine trickreiche und gut funktionierende Vogelfalle, unscheinbare Wurzeln entpuppen sich als schmackhafte, an Erdbeeren erinnernde Snacks, Froesche werden zu Abendbrot… Der Wald ist ploetzlich kein unentrinnbares gruenes Dickicht mehr, sondern Lebensraum. Damit das so bleibt, steht der Primaerwald, also unberuehrter Regenwald, unter dem besonderen Schutz der Regierung und staendige Patrouillen von Polizei und Armee garantieren diesen zumindest teilweise.

Primaerwald erinnert stark an einen europaischen Mischwald – wenig Unterholz, sehr licht und ein gewaltiges gruenes Blaetterdach, getragen von enormen Staemmen. Man sieht weit und wundert sich. Das, was wir im allgemeinen mit Regenwald verbinden, ist Sekundaerwald – also bereits abgeforsteter oder landwirtschaftlich genutzter Wald, der zurueck kehrt. Da hier der Schatten der Baumkronen fehlt, entwickelt sich das undurchdringliche Dickicht, wie man es aus Filmen kennt. In beiden Waldformen findet man kaum Tiere, solang sie genug Raum haben, sich zu verteilen und zu verstecken. Kritisch ist es in den sogenannten Nationalparks, vor allem auf der Seite Malaysias – diese Gebiete werben damit, dass viele Tiere, dicht gedraengt, in freier Wildbahn zu sehen sind – das geht allerdings nur, wenn der Lebensraum schon so stark begrenzt ist, dass den Tieren keine andere Wahl bleibt. Ein Zoo mit anderen Mitteln….

Abseits der Lehrstunden im Wald und den Arbeitsstunden im Dorf, wo wir vor allem Drainagen schachten, mit Flusskieseln und Lehm Wege pflastern – schwimmen wir, wegen eventueller Krokodile unter Aufsicht, im Fluss, fahren im Langboot zum Fischen, bestaunen die Sonnenuntergaenge, belauschen die vielfaeltigen Stimmen des Waldes und sitzen am Abend um die Feuerstelle oder im Langhaus bei einem Becher Reiswein zusammen und sprechen ueber unsere beiden, so unterschiedlichen Welten.

Am vermeintlich letzten Abend steigt ein Abschiedfest, in dessen Verlauf wir genoetigt werden, noch einen Tag laenger zu bleiben. So kommen wir noch in den Genuss einer Verlobungsfeier in einem benachbarten Langhaus. Die Verlobung wird rund zwei Monate vor der eigentlichen Hochzeit abgehalten und dient vor allem der Feststellung des Verwandheitsgrades von Braut und Braeutigam. Dies wird unter den Maennern ausgiebig bei Tee und Tabak diskutiert, waehrend die Frauen den haerteren Getraenken froehnen und das Tanzbein schwingen. Am naechsten Morgen wird dann das Ergebnis der “Verwandheitsgradsfeststellungsdiskussion“ bekannt gegeben…

Und wir stehen wieder in der prallen Sonne, mit Abschiedsschmerz und Katerstimmung, und winken den vorbeifahrenden Autos zu, bis uns eines mitnimmt…

Zurueck in Kota Kinabalu packen wir fuer den hoffentlich letzten Flug auf dieser Reise…

III Alles verboten und viele Kilometer

Ankunft in Singapur – Ankunft in der Zukunft. Die Schweiz Suedostasiens raubt uns den Atem und den Schlaf. Nur rund 50 auf 70km gross, draengen sich hier knapp 5 Millionen Menschen. Viele davon weiss. Wir treffen wieder auf Guido und Jana und durchstreifen fuer zwei Tage den asiatischen Bau-Gigantismus. Wir fuehlen uns voellig deplatziert. Was soll man auch in einer Stadt anfangen, die anscheinend nur aus Shoppingmalls, Bueros, Wohntuermen und Entertainmentlokalen zu bestehen scheint? Was ist das fuer ein Land, wo der Besitz und der Gebrauch von Kaugummi illegal ist und unter Strafe steht, das „Nach-dem-Pippi-machen-nicht-spuelen“ mit einer Geldstrafe geahndet wird? Alles sauber, alles genormt, alles sicher!

Wie wohltuend ist da die, zum Glueck noch vorhandene, Atmosphaere von Little India, Chinatown und dem arabischen Viertel. Alte Haeuschen, zwei bis drei Stockwerke hoch, ein Gemisch aus Lebensmittel- Klamotten- Haushaltswarenlaeden und Restaurants in den Erdgeschossen – ein quirliges Treiben in den Gassen…

Wohltuend auch unser naechtlicher Rueckzugsort bei den Warmshowern Frank, Ho Pheng und der kleinen Tochter Inge – eine Wohnung zum Durchatmen – ein gelungener Mix aus europaeischem und asiatischem Einfluss, eine Gastgeberin, die zwischen Baby und Arbeit noch Zeit fuer uns findet – besten Dank dafuer!

Fuer uns heisst es Abschied nehmen von Jana und Guido und mit einer unterdrueckten Traene in den Augenwinkeln schwingen wir uns wieder auf die straeflich vernachlaessigten Stahlroesser. Die vor uns liegende, rund 2‘000km lange Etappe nach Bangkok wird uns nochmals durch Malaysia fuehren, wahrscheinlich durch immer gleiche Palmoelplantagen – doch lassen wir uns ueberraschen.

Den lang herbeigesehnten Radkilometer 10‘000 haben wir am 4. September in Malaysia, zwischen Kota Tinggi und Mersing ueberschritten – lang genug hat es gedauert.

 03 Geleitschutz zur Kirche

12 Auf dem Fluss

01 Boot auf Beinen

Read Full Post »

Am Besten, man nimmt das Boot. Damit laesst sich tief in Borneos Regenwaelder vordringen. Dazu noch komfortabel und schnell. Die Reise geht von Kuching ueber Sibu und Kapit nach Belaga. Wir folgen dem Fluss Rejang stromaufwaerts.

Habe ich Regenwaelder erwaehnt? Das war unsere Erwartung, bevor wir aus Kuching starteten. Die Realitaet sah anfangs anders aus. Ein grosser Teil Borneos Waelder fiel und faellt noch immer der Holzindustrie und vor allem dem riesigen Bedarf an Oel zum Opfer- genauer gesagt: Palmoel. Dafuer braucht es jede Menge Platz. Was liegt da naeher, als zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen? Geld aus der Abholzung und nochmals Geld aus den Ertraegen der Palmoelplantagen. Besser geht es ja kaum. Fuer den wichtigen Wirtschaftszweig Tourismus werden einige Gebiete geschuetzt und zu Nationalparks erklaert. Hier kann der Besucher zusammen mit staatlich geprueften Fuehrern und weiteren Hundertschaften Wissbegieriger zu ueberhoehten Preisen auf Entdeckungsreise gehen. Selbstverstaendlich auf gesicherten und extra angelegten Pfaden aus recyceltem Kunststoff.

So dauert es eine ganze Weile, ehe wir der Monotonie der Palmoelplantagen und Sperrholzfabriken entrinnen. Weiter im Landesinneren, weit hinter Sibu, kommen wir doch noch in den Genuss des Waldes. Wie riesige gruene Mauern verstellt uns dieser den Blick nach rechts und links. Manchmal erscheint eine Presche im Wald, kleine Boote schaukeln vor einem hoelzernen Steg, dahinter, oben auf der Boeschung, steht ein einzelnes Haus – dafuer bis zu 500m lang und damit gross genug, einem ganzen Dorf Heim zu sein. In Schotten abgetrennt leben dort die Familien Wand an Wand. Frueher gab es nicht einmal diese – die Privatsphaere wurde durch gespannte Tuecher gewahrt. Die traditionellen Langhaeuser sind eines der beliebtesten Ziele Borneo-Reisender. Und sind doch nichts anderes, als lange Haeuser.

Mit 3000 dieseligen Pferdestaerken und guten 50km/h durchpfluegen wir die schlammig braunen Wassermassen des Rejang. Die Sonne brennt auf unseren Sitzposten auf dem Dach, der Fahrtwind zersaust das Haar, zumindest das der weiblichen Mitfahrer. Noch immer sind wir zu fuenft unterwegs – zusammen mit Nic und Cat, den beiden Belgiern und Jitka, Zuzkas Schwester.

In Belaga endet unsere Reise auf dem Fluss. Von hier aus sind es nur noch wenige Kilometer zu einem der ehrgeizigsten Projekte der Regierung Malaysias – des Baus eines riesigen Staudamms. Aufgrund dieses umstrittenen Projektes wurden zigtausende Menschen zwangsumgesiedelt.

Von Belaga aus geht es nur mit dem Gelaendewagen zurueck auf die Hauptroute. Der von uns angeheuerte tauchte leider nicht auf. Die Alternative bestand darin, uns, unser Gepaeck und die Fahrraeder auf die Ladeflaeche eines vollbesetzten Pickups zu quetschen und zu versuchen, die knapp 4 stuendige Fahrt durch Waelder und Plantagen, auf rumpeligen, erodierten Forststrassen ohne groessere Blessuren zu ueberstehen. Anschliessend erreichen wir per Bus und Trampen die Niah Caves. Hoehlen. Das klingt erstmal wenig spektakulaer, wenn man bis dahin mit diesem Begriff die Drachenhoehle in Syrau oder die Prinzenhoehle in Hartenstein verbindet. Aber was uns in Niah erwartet, laesst mich fast die Fassung verlieren. Ich kippe vor Begeisterung aus den Latschen und kann vor Staunen meinen Mund kaum schliessen. Drei Hoehlen. Die erste ist gross, luftig und zu einer Seite offen, die zweite voller rund 1200 Jahre alter Wandmalereien, welche aber durch einen unueberwindbaren Maschendrahtzaun vor allzu grosser Begeisterung geschuetzt sind. Die dritte aber, die Grosse Hoehle – das ist einzigartig. Auf mehr als 10 Hektar Grundflaeche (das sind ueber 100.000m², oder rund 20 Fussballfelder) kann man hier in knapp 80m hohen Hallen wandeln. So mancher Kirchenbau nebst Turm wuerde hier drin einfach verschwinden. Genauso wie das Licht. Mit Hilfe unserer Stirnlampen tasten wir uns voran, hoeren dem Geschrei hunderttausender, am Abend heimkehrender Schwalben und ebensovielen aufwachenden Fledermaeusen zu. Der Gestank nimmt uns bisweilen den Atem. Oder sind es einfach die beeindruckenden Ausmasse dieser Hoehle?

Unser Weg fuehrt uns weiter nach Miri, einer kleinen Hafenstadt am Suedchinesischen Meer. Heimat ungezaehlter Shoppingmalls, Karaoke-Bars, Restaurants, Hotels, Bordelle und eines Petroleum-Museums. Wir naehern uns Brunei. Jitka verlaesst uns.

02 Anlegestelle Kapit

 

Read Full Post »

Und wieder wechseln wir die Welten. Kulturschock inmitten Suedostasiens. Keiner nimmt uns mehr lauthals wahr, niemand gruesst – unser Starstatus, an den wir uns letztlich so gewoehnt hatten, ist schon wieder Geschichte. Eigentlich schade.

Wir kommen direkt aus Sulawesi in der Hauptstadt Malaysias, Kuala Lumpur, an. Es glitzert und funkelt, kaum ein Kruemel liegt auf den Strassen, die Menschen scheinen dem aktuellen Modekatalog entsprungen zu sein und wuseln beschaeftigt in ihrer Stadt umher. Wir Couchsurfen in einer mit sechs weiteren Gaesten gut gefuellten Wohnung, irgendwo im elften Stock eines der zahllosen Hochhaeuser der Stadt – mit genialem Blick auf das Zentrum und die aus der Ferne beeindruckenden Petronas-Towers. Aus der Naehe betrachtet verlieren diese allerdings ihre Wuerde dank mangelhafter Ausfuehrung im Detail. Viel gibt uns KL nicht – in der Architektur austausch- und verwechselbar und ohne menschlichen Masstab, fussgaengerunfreundlich, weitlaeufig und viel zu hektisch. Allerdings wird hier englisch gesprochen, was uns nach zweimonatiger Sprachlosigkeit als aeusserst befreiend erscheint.

Wir holen Jitka, Zuzkas Schwester, vom Flughafen ab und fliegen direkt weiter nach Borneo.

In Kuching erwarten uns John und Cynthia. John ist Belgier, seit kurzem Mitglied von Warmshowers, mit Leib und Seele Lehrer, seit fuenf Jahren in Kuching. Cynthia, seine symphatische Freundin, ist auch Lehrerin und Nachfahrin eines der Ureinwohnerstaemme Sarawaks, der suedlichen Region, malaysisch Borneos.

Wir haben eigentlich vor, zwei Tage zu bleiben, am Ende ist es eine ganze Woche, die wir in Kuching und der bezaubernden Umgebung verbringen. Am ersten Tag erkunden wir zu dritt die Stadt, verbringen viel Zeit beim Durchstoebern der Gassen und Maerkte von Chinatown und India Street. Das Leben findet ueberwiegend draussen statt. Vor dem Regen durch Vordaecher geschuetzt, werden Gewuerze, getrocknete Meeresfruechte, Seetang und Fische, Obst und Gemuese, Klamotten, Schuhe und Taschen aus ueberwiegend chinesischer Produktion und jede Menge Souvenirs – von australisch anmutenden Boomerangs ueber Masken und Strohhuete bis hin zu chinesischem Porzellan – feil geboten.

Das Essen ist so fantastisch wie vielfaeltig. Wir haben die Qual der Wahl und probieren aus, was die Essstuben hergeben.

Einen Tag nach uns treffen Caterine und Nicolas, Freunde von John aus Belgien, ein. Von nun an sind wir fuer lange Zeit zu fuenft unterwegs.

Die kommende Zeit verwenden wir darauf, Tiere zu suchen. Erst draengeln wir uns mit vielen anderen Suchenden durch ein kleines Fitzelchen Regenwald, in dem Orang Utans darauf trainiert werden, in ihrer eigentlich angestammten Heimat zu ueberleben. Nur leider ist das Stueck Wald zu klein und bietet den zirka dreissig Affen nicht immer ausreichend Nahrung, so dass sie noch immer gefuettert werden muessen – die Gelegenheit fuer Hobbyfotografen, einen Schnappschuss von den possierlichen Tierchen zu ergattern. Das Ganze nennt sich Orang-Utan Sanctuary. Im Regenwald stehen sich dabei eine handvoll Ranger mit Bananen und Melonen, ungefaehr sechzig Menschen, meist europaeischer Herkunft und vielleicht zehn Menschenaffen gegenueber und schauen sich gegenseitig beim fuettern, essen und fotografieren zu.

Schon besser ist da der Bako-Nationalpark. Auch hier herrscht ungefaehr die gleiche Szene vor – Mensch sucht Tier, Tier laesst sich schwer finden oder, im Fall der Makaken, bestiehlt Mensch. Diese an den Menschen gewoehnten, aber weit von gezaehmt entfernten Affen, huepfen vor lauter Freude im Familienverband auf unserem Zelt herum. Wir liegen allerdings aufgrund zu starker Regenfaelle und zu wenig saugfaehigen Bodenmaterials nicht darin, sondern draengen uns in die ausgebuchten Unterkuenfte. Auch auf 80cm laesst es sich zu zweit bequem schlafen – man muss nur muede genug sein.

Sobald man sich ein wenig von den Unterkuenften am Eingang des Nationalparks entfernt, wird es auf einmal ganz ruhig. Man kann ausgedehnte Wanderungen unternehmen, ohne staendig auf die Vertreter der eigenen Art zu treffen. Leider sehen wir auch kaum andere Arten. Die lustigen Nasenaffen verstecken sich hoch oben in den Wipfeln der Baeume, selbst die Schlangen und Spinnen lassen sich nicht blicken. So kann ich mich lediglich an den amphibischen Schlammspringern ergoetzen…

John hat sich was ganz Besonderes ausgedacht – und das ist wirklich und wahrhaftig der Knaller! Er kennt jemanden, der wiederum jemanden kennt der jemanden kennt der eine Insel besitzt. Ganz nah an Kuching und weit genug weg, um ungestoert zu sein. Namen nenne ich keine. Hier hat es sich der Besitzer zur Aufgabe gemacht, die vom Aussterben bedrohten Meeresschildkroeten zu beschuetzen – oder besser, ihnen wenigstens einen besseren Start ins Leben zu Verschaffen. Und das geht so: Mama Schildkroete kommt voller Eier an Land, schaufelt sich eine grosse Grube in den Sand und beginnt, wenn sie sich unbeobachtet und ungestoert fuehlt, mit dem Legen von Eiern. Ist das vollbracht, schaufelt sie die Grube wieder zu und haut ab. Laesst also ihre ungeborenen Kinderchen im Stich. Damit denen waehrend des knappen Monats Brutzeit (hier bruetet der Sand) nichts Boeses passiert, werden sie ausgebuddelt (Ranger) und an einem anderen, umzaeunten Ort wieder eingegraben. Die Tiefe der Buddelei und damit die Ei-Umgebungstemperatur bestimmt das Geschlecht der kommenden Schildkroete. So wurde es mir erzaehlt. Ich habe diese Behauptung nicht ueberprueft. Irgendwann schluepfen die Kleinen und werden per Hand von den Rangern, und in dieser einen vollmondklaren Nacht auch von uns, ans Wasser getragen und mit einem kleinen aber bestimmten Stupser in das dunkle Meer geschoben. Ungefaehr Eine von Hundert ueberlebt die ersten Tage. Der Rest wird gefressen, verhungert oder erstickt spaeter an einer verschluckten Plastiktuete – weil eine Plastiktuete nunmal keine Qualle ist. Dumme Schildkroeten.

Grosse Schildkroeten sind eine Delikatesse. Weltweit geschaetzt. Nur fangen darf man sie offiziell nicht so richtig. Passiert aber. Um die Insel drumherum gibt es eine Fangsperrzone. 200 Meter. Dahinter duempeln die Fischerboote. Zusammen mit John schwimme ich raus, um unser Abendessen zu holen. Fisch und Krabben. Die Laderaeume sind nach knapp zehn Tagen auf dem Meer fast bis zur Oberkante gefuellt. Da tummeln sich Garnelen und Garnelchen, Krabben, Rochen und weitere, fuer mich namenlose Fische in allen erdenklichen Farben und Formen. Keine Schildkroeten. Zumindest sehen wir hier keine.

Der Abschied naht – von Cynthia und John, von der Insel und von Kuching. Leider. Aber es wartet noch mehr auf uns, da draussen in der Welt. Und so packen wir die Fahrraeder auf das Dach eines Bootes und fahren auf dem Fluss, dem Batang Rejang, in das Innere Borneos – das Land der Langhaeuser und Kopfjaeger.

36 Makaken am Strand

Read Full Post »