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Archive for the ‘09 Laos’ Category

Durch den Nordosten Thailands und den bergigen Norden Laos’ nach Vietnam

Rainers Land – Der Nordosten Thailands

Wir fliegen nur so dahin. Der nordoestliche Teil Thailands ist flach und nicht gerade wohlhabend. Genau aus diesem Grunde, gehen viele der jungen und nicht mehr ganz so jungen Frauen in die Touristen-Hochburg Pattaya, zum Frisieren, Massieren, Putzen, Verkaufen und Angeln. Hat dann endlich einer der betagten weissen Herren angebissen, geht es mit ihm und seinem Geld zurueck in die Heimat – seine oder ihre.

So kommt es, dass wir auf unserer sonst recht unaufregenden Fahrt entlang des Mekongs immer wieder auf nette Herren mit Bauchansatz (oder etwas mehr) und graumeliertem Haar (oder etwas weniger) treffen. Unter ihnen der Deutsche, Rainer. Seine Frau serviert uns im eigenen „Deutschen Restaurant“ einen fantastischen Teller Bratkartoffeln, Spiegelei und Weisskrautsalat, waehrend er uns ueber das Leben in dieser Ecke der Welt und deren Bewohner aufklaert:

„…Ich empfange auf meinem Fernseher 21 deutsche Sender, und damit meine ich nicht die Deutsche Welle, nee, RTL, PRO 7 und so. Ohne die waere ich schon laengst weg hier…“

„…Unter den Deutschen hier, dass kannst du vergessen. Nur Neid und Zank…“

„…Tagsueber ist auf dem Fluss (Mekong) ja nix los. Aber nachts, da mussde mal guggen – da geht die Post ab. Drogenhandel und so. Kommt alles von Laos rueber…“

„…Letztens waren wir essen, unten am Mekong. Da strandete eine schwarze Muelltuete am Restaurant. Die Leute haben damit rumgespielt und reingestochert. Was drin war? Ein Farang. (Ein Weisser.)…“

„…Hier, unser Nachbar hat ne illegale Spielhoelle im Haus – die Polizei kassiert monatlich 50.000 Baht. Dafuer passiert dann auch nix…“ (rund 1250 Euro)

„…Thais? Die egoistischsten Leute die ich kenne. Und faul sind die. Zum Wegrennen. 5 Jahre bin ich nun hier – Sachen koennt ich erzaehlen, da schlackerste mit den Ohren…“

Wir geniessen unsere letzten Tage in Thailand, vor allem noch einmal das grossartige Essen und die unaufgeregte Atmosphaere in diesem touristisch vernachlaessigten und wohl auch weniger interessanten Teil des Landes. Der Mekong fliesst traege dahin, der Wasserstand ist niedrig und im fruchtbaren Uferschlamm entstehen gruenende Gaerten und Tabakfelder. Es wird merklich kuehler und die Sandalen-Tage sind nun auch fuer uns langsam vorbei.

Durch beruehrte, unberuehrte und beruehrende Gegenden in Laos‘ Norden

Ueber die Freundschaftsbruecke I ueberqueren wir den Mekong in Richtung Laos. Die Bruecke ist fuer motorisierte und unmotorisierte Zweiraeder offiziell gesperrt, aber eine Alternative gibt es nicht. So werden wir einfach durchgewunken und hinter uns die Bruecke gesperrt, bis wir die andere Seite sicher erreicht haben. Rote Fahnen mit Hammer und Sichel, Schueler in Uniformen, mit Kaeppi und roten oder blauen Halstuechern empfangen uns in der Hauptstadt Vientiane. Vor allem aber vollkommene Orientierungslosigkeit. Geschlagene zwei Stunden irren wir umher, bis wir ein preislich annehmbares Gasthaus finden und uns einrichten koennen.

Es weihnachtet sehr. Und wie laesst sich das Fest weit entfernt der Heimat am ertraeglichsten gestalten? Wir haben das Glueck, auf die beiden Dresdner Radler Kerstin und Jens, und den St. Galler Velohelden Andi zu stossen, mit denen wir zusammen ein paar sehr ruhige Tage lang nichts machen… Die drei sind vor einigen Monaten in ihrer jeweiligen Heimat losgefahren, und nun kreuzen sich auch unsere Wege. Wieder einmal zeigt es sich, dass der von uns eingeschlagene Weg, in die Gegenrichtung, so verkehrt nicht ist: Die Drei wollen das Gesamtgewicht ihrer Bikes reduzieren und somit kommen wir wieder einmal in den Genuss warmer Jacken, Muetzen, nicht mehr ganz frischer, aber dicker Socken, Handschuhe, einer Thermoskanne und nuetzlichen Kartenmaterials. Soviel zu den Geschenken, dachten wir. Aber es sollte noch besser werden! Wider aller Geruechte und Behauptungen gab uns die Chinesische Botschaft ohne viel Federlesens ein 3 Monate gueltiges Visum fuer China!!! Formular ausfuellen, ein Foto draufkleben, 1, 3 oder 6 Monate ankreuzen, 4 Tage warten, 32 US-Dollar pro Nase berappen und fertsch! Ha, so faellt uns ein Stein vom Herzen, brauchen wir uns nun in China nicht mit Verlaengerungen und einem noch knapperen Zeitplan herumschlagen… Ohh, du froehliche!!!

Weiter gehts Richtung Vang Vieng, einer der wohl zu Recht verschriensten Ansammlungen lebenslustiger junger Menschen im ewigen „Spring Break“-Fieber. Mehr oder weniger entspannt lehnen wir uns zurueck und beobachten amuesiert und entsetzt zugleich das Treiben um uns herum, erfreuen uns aber dennoch der reichlichen Auswahl an guenstigem, leckerem Essen, des guten Lao-Bieres und der spartanischen Bambushuette vor fantastischer Bergkulisse. Jedem das Seine. Am Silvesterabend sitzen wir mit den Maennern der laotischen Bungalow-Besitzerfamilie, einem deutschen Heavy-Metal-Freak, und einem ebenso deutschen Liedermacher mit seiner Gitarre und selbstgebranntem LaoLao (Reiswhisky) ums Lagerfeuer und lassen die Gedanken schweifen… Ein neues Jahr voller Bewegung, Begegnungen und Ungewissheiten lockt!

Doch erstmal heisst es, Termine einzuhalten. Wir sind mit Gabriel und Kyoko in Luang Prabang verabredet.  Der Weg dorthin ist nicht steinig, aber steil. Ploetzlich finden wir uns auf schweisstreibenden Anstiegen wieder – absurder Weise hatten wir uns regelrecht darauf gefreut. Nun duerfen wir bis zu 2000 Hoehenmeter pro Tag in Angriff nehmen, dafuer aber auch beeindruckende Aussichten geniessen. Das laesst erahnen, was uns in den naechsten Monaten so bevor steht – stundenlanges Bergauffahren, nur um in wenigen Minuten die Hoehenmeter wieder zunichte zu machen.

Entlang der Strasse faedeln sich staubige Berdoerfer mit Bambushuetten, kleinen Schweinchen, einer Unmenge an Hunden und armlich gekleideten Menschen, die vor kleinen Feuerstellen hocken, Waesche waschen, Matten flechten oder kochen, auf. Die Kinder strahlen uns mit einem unglaublich herzerwaermenden Laecheln an, winken und rufen „Sabaidii“ (Hallo) oder „Falang, Falang“ (Weisser Auslaender).

Immer wieder stossen wir auf Familien, die auf den steilen Haengen, Teile des riesigen Schilfrohrs ernten, welches hier wie Unkraut wuchert. Dies wird direkt am Strassenrand weiterverarbeitet – die Samen ausgeklopft und die Bueschel zum Trocknen ausgelegt. Danach bringt ein Kilo-Buendel umgerechnet 50 Cent. Ein junger Mann schafft rund 8 Kilo am Tag. Aehnlich Flachs oder Hanf wird dieser Rohstoff in Vietnam und Thailand zu Textilien weiter verarbeitet.

Nie haben wir soviele Radler getroffen wie in den letzten beiden Wochen. Ganze Gruppen werden hier von Guides ueber die Berge getrieben, die meisten allerdings sind ganz individuell unterwegs, das bezaubernde Laos mit seinen netten Bewohnern zu erradeln…

Umso hoeher wir kommen, desto kaelter wird es. So freuen wir uns riesig, eines Abends eine warme Quelle am Rande der Strasse zu finden. Wir machen Halt und lassen uns neben den Dorfbewohnern ins wohlig warme Wasser gleiten…

In Luang Prabang stossen wir schliesslich, mittlerweile zum fuenften Mal, auf Gabriel und Kyoko – gerade rechtzeitig, um in Gabs Geburtstag reinfeiern zu koennen. Am naechsten Tag kommen noch Astrid und Mewes aus Erfurt und Wolfgang aus Muenchen hinzu, alle drei auf dem Rad-Weg von Daheim in die Welt.

Das herausgeputzte und recht beschaulich wirkende Staedtchen bietet uns fuer ganze 8 Tage Unterschlupf, Nahrung und eine lustige Zeit mit unseren beiden Freunden. Letzten Endes muessen wir allerdings weiter. Da hilft alles nichts. Auch kein Durchfall. Die Zeit verrinnt unaufhaltsam und das Visum laeuft langsam aus. Die naechsten drei Tage verbringen wir nun zu viert in den Saetteln, bis sich unsere Wege in Oudomxai schliesslich wieder trennen – die Beiden radeln weiter nach China, wir waehlen den Umweg ueber das uns noch unbekannte Vietnam.

Doch dorthin zu kommen erweist sich als kraeftezehrende Angelegenheit. Erst vor Kurzem wurde der Grenzuebergang geoeffnet und eine befestigte Strasse existiert auf den letzten 70 Kilometern bis zum Uebergang nicht mehr. Dafuer finden sich umso mehr Berge, die rumpelnd bezwungen werden wollen. Fuer die 100km des letzten Laos-Tages brauchen wir 11 Stunden und jede Menge Kekse. Nach 2000 Hoehenmetern erreichen wir den hoechsten Punkt und damit die Grenzstationen. Da wir die einzigen Menschen weit und breit sind, gestaltet sich der Uebertritt recht unproblematisch, wenn auch nicht ganz so schnell wie erhofft, da sich jeder uniformierte Vietnamese, und das sind viele, auf uns stuerzt, um unsere Papiere zu ueberpruefen oder uns, in aller Heimlichkeit, fuer einen schlechten Kurs (fuer uns) Geld tauschen zu wollen. Computer scheint es hier auch nicht zu geben – so werden unsere Angaben im ersten Amtszimmer von einem Mann in gruener Uniform fein saeuberlich per Hand in ein riesiges Buch eingetragen, im zweiten Zimmer wiederholt sich die Prozedur – nur ist die Uniform des Beamten diesmal blau. Vorbei geht es an einer riesigen Statue Ho Chi Minhs und wir sind in Vietnam. Langsam wird es dunkel, unsere kleinen Kopflampen werfen einen klaeglichen Schimmer auf den schlechten Asphalt, neben uns donnern die Sprengungen in den Steinbruechen und endlich geht es bergab, runter, weg vom Berg. Ausgehungert, ausgekuehlt und erschoepft erreichen wir Dien Bien Puh. Es lebe die vietnamesische Nudelsuppe!!!

Silvester in Vang Vieng

Muang Kuah

 

 

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