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Archive for the ‘16 Iran’ Category

Trotz vorheriger Nachfrage fehlen uns bei der Ausreise aus Turkmenistan natuerlich wieder irgendwelche immens wichtigen Papiere und von der oberen Grenzbeamtin wird eine Durchsuchung unseres Gepaecks angeordnet. Dank stinkiger Taschen faellt diese allerdings recht ungruendlich aus…

Die Einreise in den Iran macht einen weitaus profesionelleren Eindruck als all die irgendwie willkuerlichen Prozedere in Zentralasien. Dafuer sind die grenznahen Orte unglaublich vermuellt und staubig…. Nachdem wir in den letzten Monaten gut mit Russisch zurecht kamen, stellt uns die hiesige Sprache, Farsi (Persisch), auf eine harte Probe…

Die Rechnung fuer unsere erste Mahlzeit im neuen Land, Kebap und Cola, will gleich einer der wenigen Imbiss-Gaeste uebernehmen – ein erster, kleiner Vorgeschmack auf das, was uns irgendwann aus dem Land treiben soll….

Schon seit 50 Kilometern strampeln wir durch iranischen Gegenwindstaub, 130 Tageskilometer machen sich in den Beinen bemerkbar, der Tag neigt sich seinem Ende entgegen und wieder einmal haelt einer der riesigen Trucks an. Der Unterschied diemal: wir fahren einfach mit. Mal schauen, wo es hingeht… Abbas fungiert ab sofort als unser Fahrer, Farsi-Lehrer, Koch und Beschuetzer, teilt staendig Tee und Bonbons aus… Es ist eine Wohltat, im klimatisierten LKW durch die Landschaft zu fliegen…

So kommen wir gut voran, begegnen interessanten Menschen und tauchen fuer einmal in eine andere Art des Reisens ein… Nach der Erfahrung in Turkmenistan wollen wir nicht im Hochsommer durch die Wueste radeln…

Nach einigen hundert Kilometern mit Abbas, einer Nacht in seinem leeren Anhaenger und  einem Besuch bei seiner Familie laedt er uns am Busbahnhof ab, ersteht zwei Tickets fuer uns, handelt den Preis fuer die Fahrraeder aus und entlaesst uns schliesslich mit Blick auf unseren neuen Chaffeur mit den Worten:

„Er ist ein guter Fahrer!“ Die Begruendung folgt auf dem Fusse:  „Er faehrt sehr schnell!“

Der Iran ist definitiv eines der Laender auf unserer Reise, die uns sehr positiv ueberrascht, aber auch stark gefordert haben. Die Menschen sind ueberaus nett, neugierig, mitteilungsbeduerftig und immens gastfreundlich – so sehr, dass es uns an den Rande der Verzweiflung treibt. Geraet man erstmal in die „Faenge“ einer Familie, wird man seines Schlafes und seiner Muendigkeit beraubt und es Bedarf jeder Menge Zeit und Ueberzeugungskraft, wieder aufbrechen zu duerfen. Wir werden mit Nettigkeiten, Geschenken und Aufmerksamkeit so ueberhaeuft, dass wir zu ersticken drohen…

Der Iran ist das Camping- und Picknickland schlechthin. Darin scheinen sich alle einig zu sein. Ueberall stehen die bunten Popup-Zelte und Gasbrenner herum, riesige, super gepflegte Parkareale stehen fuer den grossen Ansturm iranischer Familien zur Verfuegung, Stadtzentren werden am Abend und vor allem am Wochenende zu Campingplaetzen umfunktioniert – das Leben spielt sich draussen ab. Trotzdem schaffen wir es selten, eine ungestoerte Nacht in unserem „Gruenen Palast“ zu verbringen. Werden wir gesehen, wie wir heimlich, still und leise unsere mueden Haeupter zur Ruhe betten wollen – ist es um ebendiese auch schon geschehen. Einladung folgt Einladung und ein verzweifeltes „Nein, bitte nicht!“ unsererseits stoesst auf taube Ohren wohlmeinender Buerger… Die Abende gestalten sich also, mit leichten Variationen, oft so: Die Sonne droht damit, unterzugehen und zwingt uns, irgendwo einen Unterschlupf vor der daraus resultierenden Nacht und ihrer Unannehmlichkeiten zu finden. Die von uns befahrenen Gegenden sind selten menschenleer. Das Land oft kultiviert – also in Privatbesitz. Entweder spricht man uns gegenueber nun direkt Einladungen fuer die Nacht aus, oder erteilt uns, vorerst, die Erlaubnis, auf privatem Grund unter den Obstbaeumen, das Zelt aufzuschlagen. Ist das ersteinmal geschehen, werden wir innerhalb einer Stunde verbal so weich geklopft, dass wir uns geschlagen geben und doch im Haus, in der Obhut der Familie, naechtigen..

Vor dem Schlaf allerdings kommen noch: „Das grosse Fressen“, „Das exzessive Teetrinken“ und „Die Familieneinfuehrung“. Letzteres passiert jedes Mal und immer erst nach Mitternacht. Dazu haengt sich das meist weibliche Oberhaupt der Familie ans Telefon und ruft nacheinander den gesamten Grossfamilienklan der naeheren Umgebung zusammen. Diese finden sich mit Kind und Kegel und noch mehr Essen im Gepaeck zu vorgerueckter Morgenstunde ein und begutachten uns ganz aufgeregt…. Endlich im Bett weckt man uns vier Stunden spaeter mit dem Geklapper aus der Kueche – Fruehstueck!!! Wow, endlich mal was zu Essen…

Nur einmal wird dieses Ritual unterbrochen. In Qurveh, am Rande Kurdistans, werden wir von der „Staatlichen Sicherheitspolizei“ tagsueber in der Stadt gesichtet. Eine ungewoehnliche Situation fuer eine Stadt in prekaerer Lage und ohne touristische Attraktionen. Das reicht, um uns verdaechtig zu machen und uns mitsamt unseres Gepaecks um 2 Uhr frueh auf das oertliche Polizeirevier zu eskortieren… Die Nachtschicht schiebenden Beamten der „Normalen Polizei“ sind allerdings wenig eifrig bei der Sache, das Durchsuchen der Sachen faellt reichlich oberflaechlich aus, das Erstellen des Protokolls, per Hand, laesst Spuren sichtlichen Unwillens erkennen und immer wieder entschuldigen sich die Beamten bei uns fuer die Unannehmlichkeiten, die sie uns bereiten muessen…

Und sonst so? Wir entdecken die fuer uns schoenste Stadt der bisherigen Reise: Yazd.

Yazd verzaubert und vereinnahmt uns, und gibt uns endlich die Gelegenheit, die wundgeriebenen Aersche heilen zu lassen… In dem grossraeumigen Labyrinth der Altstadt leben und arbeiten tatsaechlich noch Menschen, hinter hohen Lehmmauern verstecken sich jahrhundertealte architektonische Wunder und in Pirouz finden wir einen aelteren weisen Mann und guten Freund, der uns die Zeit in der Stadt mit Geschichten, Tee und jeder Menge Zucker versuesst…. Viele Worte verlier ich dazu nicht. Wir sind verliebt in eine Stadt – moege sie jeder fuer sich selbst entdecken!

Esfahan kommt gegen wahre Liebe nicht an und entaeuscht, aehnlich wie Buchara, mit ueberlaufenen und teuren Attraktionen… Lediglich die erfrischenden Gespraeche mit den jungen Leuten und das etwas weniger sittenstrenge Leben, das sichtliche Aufbegehren gegen staatlich verordneten Konservatismus, erhellt unsere Gemueter.

Schon nach wenigen Tagen im Iran, spaetestens aber nach einigen Wochen, muesste jedem Besucher klar werden, dass das Bild, welches in unseren Medien von der iranischen Gesellschaft gezeichnet wird, ein absolut unrealistisches Zerrbild ist.

Da werden Irak, Iran, Pakistan und Afghanistan in einen Topf geschmissen, eine Prise Islamistensalz und Bombenpfeffer dazugegeben, kraeftig geruehrt und fertig ist der Terroristeneintopf. Das die Regierung mehr als unerwuenscht ist, wuerde hier sicher mindestens jeder zweite Buerger gern lauthals bestaetigen, wenn er nur duerfte. Im Stillen hoeren wir es allerdings oft…

Und die Iraner wissen um ihr schlechtes Image in der Welt und fordern uns immer wieder (halb)verzweifelt auf, die Wahrheit nach Aussen zu tragen. Das tun wir hiermit….

„Die groesste Gefahr besteht im Iran darin, von den Menschen zu Tode gefuettert zu werden…“

Was wir aus der Zeit im Iran mitnehmen sind hoechst emotionale Begegnungen, intensive Gespraeche, die Erinnerungen an weite beeindruckende Landschaften, rotgluehende Sonnenuntergaenge, zauberhafte Staedte, herzliche Menschen und ein Gefuehl dafuer, was es heisst, unter diesem harten Regime in Angst Leben zu muessen… und:

Einen alten Teppich, eine schwerwiegende Erinnerung an Pirouz. Mehr „Wiegender Teppich“ als „Fliegender Teppich“…

Es folgen zwei Dia-Shows und fuer alle, die es noch nicht gemerkt haben: Es gibt nun auch Text und Fotos zu Turkmenistan und einen Text zu den Bildern aus Usbekistan… Vıel Spass!

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