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Oel Oel Oel

Brunei. Was faellt einem dazu ein? Erstmal nur ein kleines, superreiches Land und ein kleiner, superreicher Sultan. Aber Brunei hat mehr zu bieten. Oel. Nicht wie die Nachbarn aus Palmsamen gepresst, sondern aus dem Boden sprudelntes schwarzes Gold. Man sieht die Pumpen ueberall. Selbst am Strand, immer mit einem Zaun drumherum, oft in abgesperrten Gebieten.

Unsere erste Nacht verbringen wir in Seria. Die Stadt gehoert den Shell-Mitarbeitern. Diese haben sich hier aus der ganzen Welt eingefunden, um ihre Arbeitskraft der Oelindustrie zur Verfuegung zu stellen. Im Gegenzug wohnen sie in grossen, gleich aussehenden Haeusern, in grossen, parkaehnlichen Wohnsiedlungen, fahren grosse Autos mit subventioniertem Kraftstoff und werden mit grosszuegigen Gehaeltern belohnt, die sie im benachbarten Super-Supermarkt fuer ueberteuerte Produkte aus der Heimat wieder ausgeben koennen. Am Abend, nach getaner Arbeit, vergnuegt man sich, unter Kollegen natuerlich, beim Fussball oder Snooker. Am Wochenende faehrt man in eines der riesigen Shoppingcenter ueber die Grenze nach Miri, und kommt mit den erlaubten 12 Buechsen Bier und einer Flasche Hochprozentigem pro Person wieder zurueck.

Wir entrinnen diesem Ort beizeiten am naechsten Morgen. Unser Ziel ist weit. Die Sonne brennt gnadenlos. Kein Schatten weit und breit. Nur Eintoenigkeit und Langeweile. Die Strasse entpuppt sich als schnurgerades, hitzereflektierendes Asphaltband, ohne Steigung, kaum einer Kurve – dafuer aller 40m ein Laternenmast. Wir bemuehen erstmalig unseren MP3-Player waehrend des Fahrens, um uns ein kleinwenig Ablenkung zu verschaffen, rechnen anhand der Kilometersteine und der Uhr den Geschwindigkeitsschnitt aus, Formulieren im Kopf Briefe nach Hause und freuen uns schon fast, als wir wegen eines platten Hinterreifens die Fahrt fuer ein paar Minuten unterbrechen muessen. Letztlich erreichen wir das Ziel unserer Bemuehungen – Bruneis Hauptstadt Bengar Seri Bergawan, kurz BSB genannt. Hier haben wir uns bei dem chinesisch-staemmigen Rudy ueber Couchsurfing eingeladen und werden herzlich von dessen Onkel, Tante und Mutter willkommen geheissen und sogleich mit chinesischen Spezialitaeten verkoestigt. Rudy kommt spaet. Zuviel Arbeit.

Wir schauen uns fuer einen Tag in BSB um. Kitschig bunte Fassaden und ungewoehnlich gestaltete Gebaeude, Plakate und Bilder des Sultans, Maerkte, Wasserdoerfer und Moscheen praegen das Bild im Zentrum. Arm und reich ganz nah beieinander. Besonders deutlich zeigt sich das Missverhaeltnis bei einem Gang durch die Wasserdoerfer – beinahe uebermaechtig erhebt sich die Moschee im Hintergrund mit ihren vergoldeten Kuppeln und scheint, die aermlichen Huetten zu zerquetschen zu wollen. Doch seit gut 40 Jahren begehrt niemand mehr auf. Dank kostenlosem Gesundheitswesen, subventionierten Grundguetern und Kraftstoff hat die Monarchie die Masse im Griff. Ein wenig erinnert die Atmosphaere hier an vergangene Zeiten in der kleineren Haelfte des geteilten Deutschlands.

Das einzige Museum, welches wir besuchen, widmet sich zum Einen der Geschichte des Sultanats und zum Anderen dem Lobpreis des Monarchen. Wir werden hoeflich, aber bestimmt darum gebeten, die Schuhe auszuziehen, und so durchstreifen wir barfuss eines der ungewoehnlichsten Museen, die mir bisher untergekommen sind. Hier werden neben unzaehligen, vergilbten Dokumenten und Fotos die Ehrungen, Auszeichnungen und die riesige Sammlung von Huld-Geschenken internationaler Staatsdiener an den Sultan ausgestellt. Daraus lassen sich die wichtigsten Kriterien fuer Gastgeschenke ableiten: Geschmacklos, haesslich, nutzlos und vor allem teuer.

Wir brechen wieder auf. Um die monotone Autobahnlandschaft in Hauptstadtnaehe zu umgehen, kuerzen wir mit einer Faehre ab und katapultieren uns so mit unglaublichen 80km/h nach Bangar. Ab hier fuehrt die Fahrt auf einer schmalen Schneise durch den Regenwald in Richtung Malaysia. Wir geniessen diese Fahrt sehr. Es ist schattig und aus dem Wald weht ein stets kuehlendes Lueftchen und ein vielfaeltiges Stimmengewirr. Ueber uns in den Baumwipfeln schwingen sich ab und an ein paar Aeffchen von Ast zu Ast, ein paar Nashornvoegel lassen sich blicken…. Anders, als das Nachbarland Malaysia, hat es Brunei nicht noetig, den Regenwald abzuholzen. Dafuer sorgt der Oelfluss an und vor der Kueste. Damit mal ein positiver Aspekt des Ganzen…

14 Druck von oben

Gegen den Strom

Am Besten, man nimmt das Boot. Damit laesst sich tief in Borneos Regenwaelder vordringen. Dazu noch komfortabel und schnell. Die Reise geht von Kuching ueber Sibu und Kapit nach Belaga. Wir folgen dem Fluss Rejang stromaufwaerts.

Habe ich Regenwaelder erwaehnt? Das war unsere Erwartung, bevor wir aus Kuching starteten. Die Realitaet sah anfangs anders aus. Ein grosser Teil Borneos Waelder fiel und faellt noch immer der Holzindustrie und vor allem dem riesigen Bedarf an Oel zum Opfer- genauer gesagt: Palmoel. Dafuer braucht es jede Menge Platz. Was liegt da naeher, als zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen? Geld aus der Abholzung und nochmals Geld aus den Ertraegen der Palmoelplantagen. Besser geht es ja kaum. Fuer den wichtigen Wirtschaftszweig Tourismus werden einige Gebiete geschuetzt und zu Nationalparks erklaert. Hier kann der Besucher zusammen mit staatlich geprueften Fuehrern und weiteren Hundertschaften Wissbegieriger zu ueberhoehten Preisen auf Entdeckungsreise gehen. Selbstverstaendlich auf gesicherten und extra angelegten Pfaden aus recyceltem Kunststoff.

So dauert es eine ganze Weile, ehe wir der Monotonie der Palmoelplantagen und Sperrholzfabriken entrinnen. Weiter im Landesinneren, weit hinter Sibu, kommen wir doch noch in den Genuss des Waldes. Wie riesige gruene Mauern verstellt uns dieser den Blick nach rechts und links. Manchmal erscheint eine Presche im Wald, kleine Boote schaukeln vor einem hoelzernen Steg, dahinter, oben auf der Boeschung, steht ein einzelnes Haus – dafuer bis zu 500m lang und damit gross genug, einem ganzen Dorf Heim zu sein. In Schotten abgetrennt leben dort die Familien Wand an Wand. Frueher gab es nicht einmal diese – die Privatsphaere wurde durch gespannte Tuecher gewahrt. Die traditionellen Langhaeuser sind eines der beliebtesten Ziele Borneo-Reisender. Und sind doch nichts anderes, als lange Haeuser.

Mit 3000 dieseligen Pferdestaerken und guten 50km/h durchpfluegen wir die schlammig braunen Wassermassen des Rejang. Die Sonne brennt auf unseren Sitzposten auf dem Dach, der Fahrtwind zersaust das Haar, zumindest das der weiblichen Mitfahrer. Noch immer sind wir zu fuenft unterwegs – zusammen mit Nic und Cat, den beiden Belgiern und Jitka, Zuzkas Schwester.

In Belaga endet unsere Reise auf dem Fluss. Von hier aus sind es nur noch wenige Kilometer zu einem der ehrgeizigsten Projekte der Regierung Malaysias – des Baus eines riesigen Staudamms. Aufgrund dieses umstrittenen Projektes wurden zigtausende Menschen zwangsumgesiedelt.

Von Belaga aus geht es nur mit dem Gelaendewagen zurueck auf die Hauptroute. Der von uns angeheuerte tauchte leider nicht auf. Die Alternative bestand darin, uns, unser Gepaeck und die Fahrraeder auf die Ladeflaeche eines vollbesetzten Pickups zu quetschen und zu versuchen, die knapp 4 stuendige Fahrt durch Waelder und Plantagen, auf rumpeligen, erodierten Forststrassen ohne groessere Blessuren zu ueberstehen. Anschliessend erreichen wir per Bus und Trampen die Niah Caves. Hoehlen. Das klingt erstmal wenig spektakulaer, wenn man bis dahin mit diesem Begriff die Drachenhoehle in Syrau oder die Prinzenhoehle in Hartenstein verbindet. Aber was uns in Niah erwartet, laesst mich fast die Fassung verlieren. Ich kippe vor Begeisterung aus den Latschen und kann vor Staunen meinen Mund kaum schliessen. Drei Hoehlen. Die erste ist gross, luftig und zu einer Seite offen, die zweite voller rund 1200 Jahre alter Wandmalereien, welche aber durch einen unueberwindbaren Maschendrahtzaun vor allzu grosser Begeisterung geschuetzt sind. Die dritte aber, die Grosse Hoehle – das ist einzigartig. Auf mehr als 10 Hektar Grundflaeche (das sind ueber 100.000m², oder rund 20 Fussballfelder) kann man hier in knapp 80m hohen Hallen wandeln. So mancher Kirchenbau nebst Turm wuerde hier drin einfach verschwinden. Genauso wie das Licht. Mit Hilfe unserer Stirnlampen tasten wir uns voran, hoeren dem Geschrei hunderttausender, am Abend heimkehrender Schwalben und ebensovielen aufwachenden Fledermaeusen zu. Der Gestank nimmt uns bisweilen den Atem. Oder sind es einfach die beeindruckenden Ausmasse dieser Hoehle?

Unser Weg fuehrt uns weiter nach Miri, einer kleinen Hafenstadt am Suedchinesischen Meer. Heimat ungezaehlter Shoppingmalls, Karaoke-Bars, Restaurants, Hotels, Bordelle und eines Petroleum-Museums. Wir naehern uns Brunei. Jitka verlaesst uns.

02 Anlegestelle Kapit

 

Und wieder wechseln wir die Welten. Kulturschock inmitten Suedostasiens. Keiner nimmt uns mehr lauthals wahr, niemand gruesst – unser Starstatus, an den wir uns letztlich so gewoehnt hatten, ist schon wieder Geschichte. Eigentlich schade.

Wir kommen direkt aus Sulawesi in der Hauptstadt Malaysias, Kuala Lumpur, an. Es glitzert und funkelt, kaum ein Kruemel liegt auf den Strassen, die Menschen scheinen dem aktuellen Modekatalog entsprungen zu sein und wuseln beschaeftigt in ihrer Stadt umher. Wir Couchsurfen in einer mit sechs weiteren Gaesten gut gefuellten Wohnung, irgendwo im elften Stock eines der zahllosen Hochhaeuser der Stadt – mit genialem Blick auf das Zentrum und die aus der Ferne beeindruckenden Petronas-Towers. Aus der Naehe betrachtet verlieren diese allerdings ihre Wuerde dank mangelhafter Ausfuehrung im Detail. Viel gibt uns KL nicht – in der Architektur austausch- und verwechselbar und ohne menschlichen Masstab, fussgaengerunfreundlich, weitlaeufig und viel zu hektisch. Allerdings wird hier englisch gesprochen, was uns nach zweimonatiger Sprachlosigkeit als aeusserst befreiend erscheint.

Wir holen Jitka, Zuzkas Schwester, vom Flughafen ab und fliegen direkt weiter nach Borneo.

In Kuching erwarten uns John und Cynthia. John ist Belgier, seit kurzem Mitglied von Warmshowers, mit Leib und Seele Lehrer, seit fuenf Jahren in Kuching. Cynthia, seine symphatische Freundin, ist auch Lehrerin und Nachfahrin eines der Ureinwohnerstaemme Sarawaks, der suedlichen Region, malaysisch Borneos.

Wir haben eigentlich vor, zwei Tage zu bleiben, am Ende ist es eine ganze Woche, die wir in Kuching und der bezaubernden Umgebung verbringen. Am ersten Tag erkunden wir zu dritt die Stadt, verbringen viel Zeit beim Durchstoebern der Gassen und Maerkte von Chinatown und India Street. Das Leben findet ueberwiegend draussen statt. Vor dem Regen durch Vordaecher geschuetzt, werden Gewuerze, getrocknete Meeresfruechte, Seetang und Fische, Obst und Gemuese, Klamotten, Schuhe und Taschen aus ueberwiegend chinesischer Produktion und jede Menge Souvenirs – von australisch anmutenden Boomerangs ueber Masken und Strohhuete bis hin zu chinesischem Porzellan – feil geboten.

Das Essen ist so fantastisch wie vielfaeltig. Wir haben die Qual der Wahl und probieren aus, was die Essstuben hergeben.

Einen Tag nach uns treffen Caterine und Nicolas, Freunde von John aus Belgien, ein. Von nun an sind wir fuer lange Zeit zu fuenft unterwegs.

Die kommende Zeit verwenden wir darauf, Tiere zu suchen. Erst draengeln wir uns mit vielen anderen Suchenden durch ein kleines Fitzelchen Regenwald, in dem Orang Utans darauf trainiert werden, in ihrer eigentlich angestammten Heimat zu ueberleben. Nur leider ist das Stueck Wald zu klein und bietet den zirka dreissig Affen nicht immer ausreichend Nahrung, so dass sie noch immer gefuettert werden muessen – die Gelegenheit fuer Hobbyfotografen, einen Schnappschuss von den possierlichen Tierchen zu ergattern. Das Ganze nennt sich Orang-Utan Sanctuary. Im Regenwald stehen sich dabei eine handvoll Ranger mit Bananen und Melonen, ungefaehr sechzig Menschen, meist europaeischer Herkunft und vielleicht zehn Menschenaffen gegenueber und schauen sich gegenseitig beim fuettern, essen und fotografieren zu.

Schon besser ist da der Bako-Nationalpark. Auch hier herrscht ungefaehr die gleiche Szene vor – Mensch sucht Tier, Tier laesst sich schwer finden oder, im Fall der Makaken, bestiehlt Mensch. Diese an den Menschen gewoehnten, aber weit von gezaehmt entfernten Affen, huepfen vor lauter Freude im Familienverband auf unserem Zelt herum. Wir liegen allerdings aufgrund zu starker Regenfaelle und zu wenig saugfaehigen Bodenmaterials nicht darin, sondern draengen uns in die ausgebuchten Unterkuenfte. Auch auf 80cm laesst es sich zu zweit bequem schlafen – man muss nur muede genug sein.

Sobald man sich ein wenig von den Unterkuenften am Eingang des Nationalparks entfernt, wird es auf einmal ganz ruhig. Man kann ausgedehnte Wanderungen unternehmen, ohne staendig auf die Vertreter der eigenen Art zu treffen. Leider sehen wir auch kaum andere Arten. Die lustigen Nasenaffen verstecken sich hoch oben in den Wipfeln der Baeume, selbst die Schlangen und Spinnen lassen sich nicht blicken. So kann ich mich lediglich an den amphibischen Schlammspringern ergoetzen…

John hat sich was ganz Besonderes ausgedacht – und das ist wirklich und wahrhaftig der Knaller! Er kennt jemanden, der wiederum jemanden kennt der jemanden kennt der eine Insel besitzt. Ganz nah an Kuching und weit genug weg, um ungestoert zu sein. Namen nenne ich keine. Hier hat es sich der Besitzer zur Aufgabe gemacht, die vom Aussterben bedrohten Meeresschildkroeten zu beschuetzen – oder besser, ihnen wenigstens einen besseren Start ins Leben zu Verschaffen. Und das geht so: Mama Schildkroete kommt voller Eier an Land, schaufelt sich eine grosse Grube in den Sand und beginnt, wenn sie sich unbeobachtet und ungestoert fuehlt, mit dem Legen von Eiern. Ist das vollbracht, schaufelt sie die Grube wieder zu und haut ab. Laesst also ihre ungeborenen Kinderchen im Stich. Damit denen waehrend des knappen Monats Brutzeit (hier bruetet der Sand) nichts Boeses passiert, werden sie ausgebuddelt (Ranger) und an einem anderen, umzaeunten Ort wieder eingegraben. Die Tiefe der Buddelei und damit die Ei-Umgebungstemperatur bestimmt das Geschlecht der kommenden Schildkroete. So wurde es mir erzaehlt. Ich habe diese Behauptung nicht ueberprueft. Irgendwann schluepfen die Kleinen und werden per Hand von den Rangern, und in dieser einen vollmondklaren Nacht auch von uns, ans Wasser getragen und mit einem kleinen aber bestimmten Stupser in das dunkle Meer geschoben. Ungefaehr Eine von Hundert ueberlebt die ersten Tage. Der Rest wird gefressen, verhungert oder erstickt spaeter an einer verschluckten Plastiktuete – weil eine Plastiktuete nunmal keine Qualle ist. Dumme Schildkroeten.

Grosse Schildkroeten sind eine Delikatesse. Weltweit geschaetzt. Nur fangen darf man sie offiziell nicht so richtig. Passiert aber. Um die Insel drumherum gibt es eine Fangsperrzone. 200 Meter. Dahinter duempeln die Fischerboote. Zusammen mit John schwimme ich raus, um unser Abendessen zu holen. Fisch und Krabben. Die Laderaeume sind nach knapp zehn Tagen auf dem Meer fast bis zur Oberkante gefuellt. Da tummeln sich Garnelen und Garnelchen, Krabben, Rochen und weitere, fuer mich namenlose Fische in allen erdenklichen Farben und Formen. Keine Schildkroeten. Zumindest sehen wir hier keine.

Der Abschied naht – von Cynthia und John, von der Insel und von Kuching. Leider. Aber es wartet noch mehr auf uns, da draussen in der Welt. Und so packen wir die Fahrraeder auf das Dach eines Bootes und fahren auf dem Fluss, dem Batang Rejang, in das Innere Borneos – das Land der Langhaeuser und Kopfjaeger.

36 Makaken am Strand

Wie ist es doch so oft im Maerchen – ohne Fleiss kein Preis. Und ohne Schweiss kein Vorwaertskommen. So quaelen wir uns zwei schwuel-heisse Tage durch die Berge und gelangen schliesslich ins sagenhafte Tana Toraja – das Land der Bergmenschen. Ein Radlertraum in Gruentoenen. Das Klima in den Bergen ist angenehm, die Menschen freundlich, das Essen wie immer.

In Toraja haben jahrhundertealte Traditionen fast unveraendert ueberlebt, einzig eifrige hollaendische Missionare haben hier ihre “Spuren der Erloesung vom Heidentum” hinterlassen und somit ein christliches Bollwerk im ansonsten tief im Islam verwurzelten Sulawesi geschaffen. So darf es nicht verwundern, dass einem von gruenen Huegeln weissgetuenchte Kirchen entgegenstrahlen.

Tagelang durchkaemmen wir mit den Fahrraedern, allerdings ohne Gepaeck, die Gegend und entdecken eine einzigartige Architektur, faszinierende letzte Ruhestaetten in Hoehlen und Felsen, erleben eine Beerdigungszeremonie hautnah und verlieren uns im Gewuehl farbenfroher, geruchsintensiver und lebendiger Maerkte…

Die Menschen hier haben eine ganz besondere Beziehung zum Tod. Dies spiegelt sich im recht unverkrampft erscheinenden Umgang mit den Grabstaetten und besonders in der rituellen mehrtaegigen Bestattungsfeier wider. Der Tod stellt eine Art Tor zur paradiesischen Nachwelt dar. Wird ein totes Familienmitglied nicht gebuehrend seines Status’ bestattet, so wird dies Unglueck ueber den Rest der Familie und die Generationen danach bringen. Somit werden den Toden grosse Ehren zuteil. Frueher, zu Zeiten, als die Einheimischen noch Kopfjaeger waren, wurden Menschen geopfert, damit die Seelen den Verstorbenen als Sklaven begleiten koennen, heute sind es zahlreiche Bueffel, die Statussymbole schlechthin, die als treue Begleiter geschlachtet werden. Umso hoeher das Ansehen des Verstorbenen in der Gesellschaft, desto mehr Bueffel hauchen auf einer dieser, meist 4 Tage dauernden Veranstaltungen ihr Leben aus.

Fuer das Fest werden auf dem Anwesen der Familie ganze Bambusdoerfer fuer Hunderte, manchmal Tausende Gaeste errichtet. Diese werden verkoestigt und unterhalten. Manche Familien treibt eine solche Feier in den Ruin. Um genug Geld ansparen zu koennen, liegen die Verstorbenen noch bis zu zwei Jahre nach dem Tod, getrocknet, im Haus und werden weiterhin als vollwertiges Familienmitglied behandelt. Die Riten und Mythen um den Totenkult hier sind so komplex, dass es schwerfaellt, alles widerzugeben.

Die Graeber, welche wir besuchten, sind von einer mystischen Aura umgeben – wohl, weil wir Europaeer in dieser Beziehung ein weniger direktes Verhaeltnis zum Tod haben. Hier liegen Saerge, menschliche Gebeine und Schaedel wild durcheinander, vor oder tief in Hoehlen, fein sauberlich aufgeschichtet oder in Szene gesetzt, mit skurillen Grabbeigaben, wie Zigaretten oder Colaflaschen. Dazwischen immer wieder Muell, der von Besuchern achtlos dazugeworfen wird. Die Knochen stammen meist aus Haengenden Graebern, Holzsaerge, die in Ermangelung eines Hoehlenplatzes von ueberhaengenden Felsvorspruengen gehaengt werden und durch Zersetzung des Sarges schliesslich zu Boden fallen. Eine andere Art der Bestattung ist die in Felsgraebern, welche mit Holzdeckeln versehen werden und von Tau-Taus, lebensgrossen Holzfiguren auf Balkonen vor den Graebern, bewacht werden…

Aehnlich faszinierend sind die typischen, reichverzierten Holzhaeuser, genannt Tongkonans, mit den an Bueffelhoerner oder Bootsruempfe erinnernden Daechern… Kein Nagel, keine Schraube verunzieren die Konstruktion!

Mittlerweile befinden wir uns auf dem Rueckweg nach Makkassar und machen momentan in Sengkang Halt, um uns von der recht kraeftezehrenden Radlerei zu erholen und aufzutanken.

Aufgrund der Fuelle an Fotos haben wir diesmal zwei Slideshows angehaengt – die erste illustriert unseren Aufenthalt in Tana Toraja, die zweite gibt Einblicke in den Ablauf eines Tages einer Bestattungszeremonie.

Alt und Neu

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Vorweg ein kurzes Dankeschoen fuer die zahlreichen positiven Rueckmeldungen zu den Themen Reiseberichte und Bilderpraesentation. Auf einigen eurer Rechner scheint es allerdings ein Problem mit den Slideshows zu geben, die, was sie nicht tun sollten, selbstaendig ablaufen und sich dadurch mit der Hintergrundmusik ueberlagern. Wir werden daher vorerst die Fotos ohne musikalische Begleitung praesentieren. Die Musikauswahl war ohnehin mager und hatte sich schon nach zwei Praesentationen erschoepft.

Wer nicht staendig im Blog nachschauen moechte, ob es Neuigkeiten von uns gibt, der moege doch bitte den am rechten Rand, unterhalb des Kalenders befindlichen “Email-Newsletter” verwenden: Einfach eure Email-Adresse eingeben und schon erhaltet ihr Bescheid, wenn es Neuigkeiten gibt. Und nun viel Vergnuegen beim Lesen….

Folgende Notizen sind Beobachtungen waehrend der Reise in Indonesien und bilden, zugegebener Massen recht subjektiv, nur einen kleinen Teil unseres Alltags und der ungeheuren Vielfalt des Landes ab.

LEIBLICHES WOHL

Hochgelobte asiatische Kueche! Leicht, frisch, gesund, vielfaeltig – was gibt es in unseren Breiten nicht alles fuer Attribute, die hiesige Kochkunst zu umschreiben… Und oft verhaelt es sich in der Tat so, dass man mit nagendem Hunger eine der zahlreichen kleinen Esstempel, Warungs genannt, aufsucht und erfrischt, gestaerkt und frohen Mutes ebendiesen wieder verlaesst. Jede Menge Reis, Gemuese, Tofu und Tempe stehen auf unserem, seit Australien vegetarischen, Speiseplan. Dazu gehoert unser Favorit Gado-Gado, einem Salat aus gekochtem indonesischen Mischgemüse, der mit Erdnuss-Chili-Knoblauchsauce angemacht wird und zu dem Longton (Klebreis) und Krupuk (Krabbenchips) gereicht werden.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit beziehen die Strassenkoeche Station und verkaufen Leckereien, wie in reichlich Fett ausgebackene Bananen, gefuellten und frittierten Tofu oder Pancake Spesial. Zu diesem folgende Erlaeuterung:

In einer tiefen Pfanne mit Deckel wird ein ca. 3cm dicker, grobporiger Pfannkuchen zweiseitig gebacken und anschliessend mit Butter oder Margarine bestrichen, mit Kaese ueberraspelt, mit Schokoladensplittern bestreut und zum Abschluss mit reichlich gezuckerter Kondensmilch uebergossen und zusammengeklappt. So entsteht ein fettriefender, handdicker Kalorienschwamm, der, kurz vor dem Einschlafen verzehrt, schwer im Magen und ein bisschen auch auf dem Gewissen liegt….

Die Kosten fuer Nahrung sind sehr gering, so lang es sich um einheimische, besser noch lokale Produkte und nicht um Alkoholika handelt. Fuer einen Schweizer Franken, oder unter einem Euro, wird man sicher satt, eine kleine Flasche Cola hingegen kann schnell das Gleiche, eine Flasche Bier gar das Dreifache kosten.

Da wir uns momentan im Toraja-Hochland aufhalten, darf auch eines der gefragtesten Getraenke der Welt, Kaffee, nicht unerwaehnt bleiben. Die Bedingungen, besonders fuer die nach reichlich Regen verlangende Robusta-Bohne, sind hier hervorragend, und so kommt es nicht von ungefaehr, dass Kaffee hier an jeder Ecke angebaut, verarbeitet und natuerlich auch konsumiert wird. Dies am liebsten mit einem Teil Zucker auf einen Teil Kaffeepulver, heiss ueberbrueht und mit, wie kann es anders sein, gezuckerter Kondensmilch verfeinert. Ob mit oder ohne Milch – dies ist unser beliebtestes Doping auf Streckenprofilen jeder Art. Die Preise pro Glas schwanken zwischen 25 und 50 Eurocent.

UNTERKUNFT

Jeden Abend heisst es, nach einer Unterkunft zu suchen und vor allem, eine solche auch zu finden. Der taegliche Regen und die recht dichte Besiedlung machen Camping zu keiner attraktiven Variante. Auch die niedrigen Preise lassen uns auf die Unterkunft mit Dach und trockenem Boden zurueckgreifen. Fuer 1 US-Dollar pro Zimmer bekommt man zwei Holzpritschen ohne Matratze, aber mit beflecktem Laken, in einem durch Sperrholz notduerftig von anderen Verschlaegen abgeteilten Separee, fuer die Verrichtungen hygienischer Art eine betonierte Zisterne, welche gleichzeitig als Fischbecken dient, ein Freiluftklo und als kostenlose Beigabe intime Einblicke in die Lebensverhaeltnisse indonesischer Familien. Fuer ein paar Dollar mehr, kann man auch schon mal saubere Laken, Fruehstueck und ein “europaeisches WC” erwarten.

Das groesste Problem stellt derzeit das Finden eines solchen Ortes dar – oft fahren wir gut 100km und mehr, immer mit mindest einem suchenden Auge. Das Nachfragen bei der Bevoelkerung bringt meist unterschiedlichste Aussagen hervor, die sich dadurch als recht nutzlos erweisen. Anscheinend wird lieber irgend etwas behauptet, als zugegeben , dass man es nicht weiss. Gute Informationsstellen sind die im ganzen Land verteilten Polizeiposten – hier tatsaechlich unsere “Freunde und Helfer”.

AUSRUESTUNG

Unsere Ausruestung haelt und haelt und haelt. Nur die nicht edelmetallischen Teile an unseren Fahrraedern rosten leise vor sich hin.  Der staendige Regen und die enorme Luftfeuchtigkleit hinterlaessen ihre Spuren auch in unserer Kleidung – nie richtig trocken mueffelt alles und zeigt nie gesehene Flecken – bei mir mehr, bei Zuzka weniger (wie machen das die Frauen bloss?) Somit ist staendige Waesche Pflicht. Am meisten leiden die Lederwaren – mein Guertel schimmelt und loest sich langsam auf, auch die Brooks-Saettel haben schon bessere Zeiten gesehen.

Der Rest ist erstaunlich robust. Viel brauchen wir ja ohnehin nicht. Am wichtigsten sind Sonnenbrille und eine Muetze. Schuhe und Socken haben wir seit Australien nicht mehr getragen, die Schlafsaecke wurden verbannt.

BEOBACHTUNGEN AM WEGESRAND

Einen nicht unbetraechtlichen Teil des Tages verbringe ich mit dem Studium des Strassenrands. Eingehend. Lies sich in Ozeanien diese Zone klar definieren und der Nutzen auf das blosse Vorhandensein beschraenken (hin und wieder fand ich sogar Dinge von Wert und Nutzen, wie zB. Kabelbinder), so sieht das hier ganz anders aus. Dieses Areal gehoert allen und wird auch so benutzt – richtig benutzt. Da liegt Waesche im Staub, auf grossen Planen trocknen, je nach Gebiet, Gewuerze, Mais, Kaffee, Seetang, Fisch und jede Menge Reis. Dies ergibt zum Teil Duftkompositionen, die sehr zu meinem Wohlbefinden beitragen. Selbst die Weiterverarbeitung der genannten Rohstoffe findet hier statt.

Somit wird der Wegesrand zum Lebens- und Arbeitsraum, der sich in die Vorgaerten der angrenzenden aufgestaenderten Haeuser bis unter dieselben ausweitet.

An abgelegenen Stellen wird der Rand zur Muellhalde, an besonders kurvenreichen, steilen Strassen lassen sich Tueten mit den verschiedensten Mageninhalten blassser Buspassagiere finden…

FREIZEITGESTALTUNG

Die Freizeit nach der Freizeit, wie sieht sie aus? Gehen wir mal davon aus, dass Radfahren eine Taetigkeit ist, welche, 5 Tage die Woche fuer 6-9 Stunden am Tag ausgefuehrt, dem Thema Arbeit nahe kommt. Zumindest ansatzweise. Kann ja auch anstrengend sein. Was macht man also, wenn man nicht Fahrrad faehrt?

Eine der Hauptbeschaeftigungen, neben Essen und Trinken, Waesche waschen und Unterkunft suchen ist das Lesen. Buecher und Magazine lassen sich in touristisch frequentierten Gebieten leicht organisieren, meist im Tauschverfahren. Der Grossteil der Literatur ist in englisch, was den positiven Nebeneffekt der Sprachkenntnis-Erweiterung mit sich bringt.

Mein letztes Fundstueck ist Heinrich Boells Kurzgeschichtensammelsurium “Mein trauriges Gesicht”. Meine noch aus Abiturtagen herruehrende Geringschaetzung seiner weinerlichen, grau-duesteren Nachkriegsprosa weicht tiefer Bewunderung. Einfach grossartig!

Fussball ist ein weiteres Thema, mit dem zu beschaeftigen ich momentan nicht gaenzlich herum komme. Die Begeisterung der Indonesier kennt, auch wenn ihre Nation nicht bei der WM vertreten ist, kaum Grenzen. Und als Deutscher habe ich im Moment noch einen guten Stand. Meist werden alle Tore einer Partie bejubelt und es spielt nur eine untergeordnete Rolle, welches Team am Ende gewinnen wird. Dank dieses, mir immer noch recht suspekten Sports, scheint die ganze Welt fuer ein paar Wochen eine grosse Party zu feiern und einen gemeinsamen Nenner gefunden zu haben.

Musik. Mein verbindendes Element zu meinem Leben in der Heimat. In den ersten Monaten habe ich den MP3-Player nie benutzt, erst hier in Asien spielt er seine Staerken aus. Hilft, stoerende Nebengeraeusche beim Einschlafen auszublenden und vermittelt ein wenig Heimatgefuehl bei ansatzweisen Heimwehphasen. Derzeitiger Einschlaf-Wohlfuehl-Favorit ist James mit “Gettin away with it all messed up”

Zu guter Letzt muss noch die meist schriftliche Verarbeitung von Erlebtem und Gesehenen erwaehnt werden. Hier hilft das Tagebuch und stueckweise auch dieser Blog. Hatte ich in Neuseeland und Australien oft nichts bemerkenswertes zu notieren, so stuermen hier so viele Eindruecke ungefiltert auf mich ein, dass diese, auch nach der Niederschrift, noch tief in meine Traeume vordringen und mich mal mehr, mal weniger gut schlafen lassen. Dies fuehrt direkt zum naechsten Punkt:

HEIMWEH

Von mir selten vorher erlebt, muss ich, fast beschaemt, gestehen, dass ich nicht davon verschont werde. Ich weiss nicht, wie es anderen Reisenden dabei geht, und wie damit umgegangen wird. Ich versuche, dies nicht als Schwaeche, sondern als Zeichen dafuer zu nehmen, dass ich doch sehr an meiner Familie und meinen Freunden haenge! Fakt! Linderung verschaffen positive Erlebnisse vor Ort und Schreiben, Schreiben, Schreiben… Und am naechsten Tag scheint wieder die Sonne.

GESUNDHEIT

Jeder Mueckenstich birgt das potentielle Risiko, an Malaria oder Dengue-Fieber zu erkranken. Sicher keine Spass. Aber die Nebenwirkungen von Malaria-Prophylaxe sind mir noch aus meiner Zeit in Afrika in zu guter Erinnerung, um auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Somit setzen wir am Abend auf lange, weite Kleidung und nachts auf die chemische Keule, um uns die blutgierigen Biester vom Leib zu halten.

Sonnenschutz ist das weitere Hauptthema. Hier bildet Sonnencreme, Schweiss und Strassenstaub ein unwiderstehliches Gemisch, welches sich in Poren und Kleidung gleichermassen festsetzt und einiger hygienischer Anstrengungen bedarf.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zu Magen und Darm.  Diese recht empfindlichen Innereien verhalten sich erstaunlich ruhig, besonders im Hinblick auf die oft bedenklichen hygienischen Bedingungen rund ums Essen.  Unsere Wasserflaschen fuellen wir in den Warungs mit abgekochtem und dadurch durchaus trinkbarem (Brunnen)wasser auf.

Also alles in bester Ordnung. Fortsetzung folgt.

Vanille

Fremdlinge

Fremde Wesen sind auf Sulawesi gelandet. Wo immer sie auch hinkommen, gibt es Menschenauflaeufe, Fastunfaelle, offene Muender – und diese Muender bruellen aus voller Kraft das heraus, was diese beiden radelnden Wesen nicht mehr erhoeren koennen, aber ertragen muessen:  “Hello Mister”: dies in Reinform oder in Abwandlungen, welche den englischen Wortschatz des jeweiligen Ausrufers zu 100% widerspiegeln. Unterbrochen lediglich durch das eine oder andere Reisfeld, reisst der stetige Strom verbalen Entzueckens angesichts zweier schwitzender Gestalten auf, hierzulande nur fuer Kleinkinder und alte Menschen bestimmten Fortbewegungsmitteln, bis zum Zuschlagen der Gasthaustuer nicht ab.

Genauso fremd, wie wir den Einheimischen vorkommen muessen, kommt uns Sulawesi vor – kein Vergleich zu Bali oder Lombok. Doch gerade aus diesem Grunde reizvoll. Eine touristische Infrastruktur fehlt fast gaenzlich, die wenigen Besucher konzentrieren sich wohl im Reise-Hotspot Tanah Toraja – Zentralsulawesis Hochland und ein Ziel auf unserem Reiseplan.

In Sulawesis Hauptstadt Makkassar angekommen, stand als Erstes ein spannender Behoerdengang zur Verlaengerung der Visas auf dem Programm und essen essen essen – Bei der Familie unserer Gastgeberin Eka (www.couchsurfing.org) wurden wir verhaetschelt und gemaestet und bauten unsere Fahrraeder wieder einmal zusammen – diesmal unter Beobachtung von mindestens der gesamten Kinderschar aus der Nachbarschaft. Das Visum wurde nach nur 2 Tagen bewilligt und somit stand dem Start ins unbekannte Sulawesi nichts mehr im Wege….. auch diesmal mit weniger Gepaeck als gewohnt, aber vorsichtshalber mit Zelt!

Bisher haben wir dieses noch nicht gebraucht – entweder ist alles zugebaut oder ueberschwemmt. Und die Gasthauser sind gut und guenstig. Fruehmorgens, gleich nach dem Weckruf des Muezzin, machen wir uns auf den Weg…

32 Sulawesi Fussballnachwuchs

Inselwelt

Bali – Lombok – Gili Meno und zurueck. In den letzten Wochen sind wir, dank Hitze und vieler Huegel, wenig Fahrrad gefahren – haben dafuer umso mehr gegessen, gelesen und gelegen. Unser kleines Paradies fanden wir auf Gili Meno: Jede Menge Zeit, weisser Sand, Sonnenschein, tuerkisfarbenes Meerwasser, leckeres Essen, bunte Fische und anregende Gespraeche mit anderen Reisenden…

Momentan versuchen wir ein guenstiges Transportmittel fuer uns und die Bikes von Bali nach Sulawesi zu organisieren, schauen uns zusammen mit unseren Freunden Gab und Kyoko die Fussball-WM an und verbringen jede Menge Zeit im Internet. Ich lad euch mal die Fotos hoch, den Text liest ja wahrscheinlich eh’ kaum jemand, nicht wahr?

Wir haben heute mal eine neue Form der Fotopraesentation ausprobiert. Ueber eine Rueckmeldung, ob dies gefaellt oder nicht, wuerden wir uns freuen. Besten Dank!

01 Bali Batur Vulkan

Hello Mister, Taxi?

Tidak, Terima kasih banyak!!! (Neeein, vielen Dank!!!) Zwei Tage hier auf Bali, und schon spricht man perfekt Bahasa Indonesia – zumindest einen Satz.

Wir sind mit unseren knapp 100kg Gepaeck wieder einmal gut weg gekommen, ohne, dass die Uebergepaeckmafia uns unserer wertvollen Ersparnisse berauben konnte. Doch einmal angekommen, haben wir festgestellt, dass wir viel zu viel Gepaeck fuer Asien dabei haben – aber das wussten wir ja schon vorher. Nun lassen wir das ganze Geruempel in Kuta und hoffen, dass es noch da ist, wenn wir von unserer Bali-Lombok-Tour wiederkommen.

Dann waren wir auf dem Immigrationsamt – Versuch der Verlaengerung der Visas von 30 auf 60 Tage. Warten, rumfragen, versuchen, Formulare zu bekommen, dann irgendwo Kopien machen, Formularumschlaege holen, alles ausfuellen, warten, fragen, anstehen, Formulare zeigen – “Ahh, ihr seid ja viel zu zeitig! Das geht erst 7 Tage vor Ablauf des Visums.”, informiert uns der uniformierte, dennoch nette Beamte hinter der Glasscheibe – egal, dann kommen wir halt wieder. Jetzt machen wir erstmal Urlaub (wovon?). Ziehen jeden Tag von einem ins naechste Bungalow, Guesthouse oder finden bei Familien Unterkunft. Die Bikes stehen neben dem Bett oder in der Dusche und warten auf ihren nicht ganz taeglichen Einsatz.

Jetzt schweben wir jeder mit zwei halbvollen Ortliebtaschen und unseren nagelneuen Regenponchos (meiner blau wie der Himmel, Zuzkas hautfarben wie, ja, Haut) durch die Landschaft. Trotz rappelvollen Strassen wird Ruecksicht genommen und man schlaengelt sich so durch. Wir koennen kaum langsam genug fahren, um alle Eindruecke zu verarbeiten. Mit der Orientierung klappt es noch nicht ganz so, ist aber auch nicht wichtig, da es ueberall neue Sachen zu entdecken gibt. Hauptsache, wir fahren nicht im Kreis. Die von uns gekaufte Karte scheint in Ihrem Stand von vor 1968 verharrt zu sein und gibt daher nur recht groben Aufschluss darueber, wo man sich gerade befindet. Einfach treiben lassen – das scheint den Umstaenden angemessen zu sein.

Das Essen ist wunderbar, reichhaltig und bezahlbar. Man radelt so vor sich hin und haelt einfach am Strassenrand an, wenn der Magen knurrt. Kleine Outdoor-Kuechen, Frisch-Saft-Pressstationen oder ein mobiler Fahrrad-Snack-Service finden sich ueberall. Frueh gibts Bali-Kaffee und Bananen-Toast, Mittag Padang-Essen und am Abend nochmal – Reis mit Beilagen ganz nach Wahl, scharf oder nicht so, viel Gemuese, Tofu, Bohnenkuechlein, Kartoffeln im Maentelchen und Sosse aus Erdnuessen. Hier, in Ubud, haben die Warungs, diese kleinen guenstigen Ess-Stuben extra Speiseplaene mit extra Preisen fuer Auslaender – das ist verstaendlich, aergert mich aber trotzdem – wie schon vor Jahren in Tschechien. Aber nach einiger Sucherei findet sich dann doch noch das Passende.

Tiere gibt es auch hier: Man sieht Strassenhunde (sehr viele), welche aus lauter Spass auch mal getreten werden (nicht von mir) und Katzen (nicht ganz so viele) ohne Schwanz, oder nur mit einem halben. Die Schweine liegen auf dem Grill, Huehner stehen in auf Mopeds gestapelten Koerben, Gaense schwimmen auf den Reisfeldern herum, Geckos fressen uns die Muecken aus dem Zimmer und die Fische tuempeln im trueben Wasser oder, in Form knuspriger Chips, auf meinem Teller herum…

Wir sind per Anruf oder SMS nun unter folgender Nummer erreichbar: +62 81 338 38 23 24

Bali poprve

Zdravime z Kuty na Bali, raje tlustych australskych turistu a zbohatlickych novych Rusu.

Let z Brisbane byl bez problemu,  opet jsme zvladli projit check-in s cca 100kg zavazadel bez placeni nadvahy. Jak dlouho nam to jeste bude prochazet, je otazka. Pri vystupu z letadla nas uzemnilo nesnesitlene vedro a dusno, coz potvrdilo varovani zkusenejsich cyklistu, ze v JV Asii jen nalehko, tj. kolo, par trik, kratasy, plavky a sandaly. Krabice se ‘zbytecnostmi’ cca o 30kg je uz zabalena a 2 ortlieb tasky zpola naplnene – krabice zustane v nasem bungalow hotelu s bazenem a klimoskou, tasky podrncaji s nama. Vezte drazi australsti cyklopratele – i Nemec umi jezdit na lehko!

Ulicemi se prohani skutry, auta, z leva z prava, kdo troubi hlasiteji ma prednost. Budu muset zainvestovat do zvonku na kolo. Benzinky tu nahrazujou stanky na ulicich prodavajici benzin v lahvich Absolut vodky.

Dneska jsme meli tu cest s imigracnim neb jsme si chteli prodlouzit nase 30 denni visa-on-arrival. No, co budu povidat, nebyli  jsme jedini a nastesti se v davu naslo nekolik jiz zkusenych cekatelu ze zamori, kteri nam poradili jakou barvu desek si musime vyzvednout, jake dokumenty ofotit, jak vyplnit dotaznik – zasadne cernym inkoustem. Po vystati posledni fronty nam pan urednik oznamil, ze mame prijit az sedum dnu pred vyprsenim viza.

Ackoliv je Kuta silne ovlivnena turismem, od Lloret de Mar a pod. ma nastesti dost daleko. Hlavnim tridam s hoteli, kde sekuritaci prohledavaji auta detektory se vyhybame a hledame si cestu uzkymi ulickami s malymi usmudlanymi domky a nadhernymi rodinnymi svatynemi. Tady i nachazime klid od neustaleho ‘Transport, transport, taksi, taksi, tomorrow’ a dokonce odmitame zdarma nabizene cigarety od mistnich, kteri nas zasvecuji do zlepsovaku vlastnorucne vyrobeneho elektro-kola. Smejiciho se Hanse z Australie nahrazuji (polo)divoci psi a kocky bez ocasu zivici se z vsude lezicich odpadku.

Zitra vyrazime na trat a budeme s napetim ocekavat vysledky voleb!

Tierwelt von OZ

Mal noch ein paar Schnappschuesse. Zum aktuellen Text gehts dann im Eintrag davor….